Gebetsfahnen/ lungta (Windpferd)
Was das Wertvollste in die Welt hinaus trägt. Rechteckige Flaggen in verschiedenen Grössen, versehen mit Wünschen und Gebeten zum Wohle aller Wesen, wehen vom Wind getragen über Berge, Täler, Städte und Länder. Sie verbinden Häuser miteinander, sie werden über breite Flüsse gespannt und tanzen in der kalten Brise hoher und verlassener Pässe auf dem Dach der Welt. Mit der "Globalisierung" haben sie auch bei uns in Europa Einzug gehalten. Sie wehen in den europäischen Zentren des Buddhismus, und auch im privaten Bereich findet man sie. So sieht man sie als Schmuck in Gärten, sowie auf Balkonen und Terassen. in meiner Stadt in Deutschland habe ich vor kurzem gesehen, dass man zwei gegenüberliegende Strassenseiten mit den bunten, indo-tibetischen Flaggen verbunden hat. Verschiedene Aspekte der Lehre Buddhas finden sich in den Texten, die auf die Fahnen gedruckt werden. Speziell der Wunsch zum Kalachakra: Frieden für die Welt, wird sehr oft verwendet. So trägt der Wind diese Gebete über alle Grenzen hinweg in alle Winkel der Erde. Meine jährliche Reise nach Nepal hat mich diesem Thema näher gebracht, und der Gedanke, dass ein Wunsch mit dem Wind reist, hat mir gut gefallen. Ich fing an, die Fahnen in allen Stadien ihres Hängens zu dokumentieren. Gebetsfahnen in verschiedenen Stufen ihrer Vergänglichkeit, von ganz neu und farbenprächtig bis amorph, vom Wind zerpflückt und blass in der Farbe. Panoramas und Nahaufnahmen, vollständig und in Fragmenten, frei wehend oder abgerissen, eingeklemmt, verschmutzt am Boden liegend, brennend am Ende ihrer Reise. Hier ist ein kleiner Querschnitt der Fotografien zu sehen. Es sind Bilder aus Nepal und Deutschland. Bei den Arbeiten ist nicht das technisch perfekte Bild mein Anliegen, sondern vielmehr der kontemplative Blick auf das Thema und die zyklische Darstellung. So ist der Prozess nicht vom "Motiv suchen" geprägt, sondern vom "Motiv finden" oder besser noch: einfach nur das "Motiv sehen".
